Die Illusion Sie kennengelernt zu haben war schön

ENKI BILIAL: Immortal (ad vitam)

Wir schreiben das Jahr 2095. Eine junge Frau mit kurzgeschorenen blauen Haaren, milchig weißer Haut und einem langen dunklen Mantel passiert mit energischem Schritt eine virtuelle Buchstabenwand, die Normalsterbliche vor dem Betreten der dritten Dimension warnt. Auf einer Art Laufsteg weit über den Häuserschluchten eines grünstichig metallicfarbenen New York eilt Jill Bioskop einer komplett schwarz verhüllten Figur entgegen: »John!«

Schöne Helden sind wir

"Zu sagen, das sind die Ausgebeuteten, schaut, wie furchtbar, das wäre zu einfach, das würde für mich nicht rechtfertigen, einen Film zu machen": Michael Glawogger über die Ausdrucksmittel seines Dokumentarfilms Workingman's Death

Die Buße des Vaters

Le fils, Belgien/Frankreich 2002, 103 Min.
Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne, mit Olivier Gourmet und Morgan Matrinne

Wo ein Sohn ist, ist auch ein Vater nicht weit. Dieser hier ist in fast jeder Einstellung zu sehen, so fasziniert ist die Kamera von ihm. Die Regisseure Jean-Pierre und Luc Dardenne schreiben: »Wir könnten uns den Film nicht mit einem anderen Körper, einem anderen Schauspieler vorstellen.« Entschlossen und ziellos, wütend und verzweifelt bewegt sich dieser Körper. Die Augen hinter dicken Brillengläsern verborgen, die Arme frei schwingend an der Seite, der massige Leib mit einem Hüftgürtel gestützt und eingesperrt.

Moving the Centre

»What if in cinema the genuine artistic gesture were not so much the completed result as the shooting itself? Aren't most of the finished films beneath what has been lived, truly lived, while they were being made? Isn't the challenge to approach, through a capture in images, the wonder of life as it was conjured up on the set, after all? […] Aren't film shoots, considered from that perspective, situations to some degree? Do they not amount to conscious creations in the domain of daily life«? (...) »As CLEAN came out, Olivier Assayas described his practice as a filmmaker as the injection of unpredictability into an accessible framework, and his position as a marginal one, but with the power to intervene regularly at the centre.« An extended portrait of Oliver Assayas you'll find on senses of cinema.

Die Zeit der Rakete

PRÜFSTAND 7 ist »eine Charakterstudie der Rakete in 7 Kapiteln. Bianca, der Geist der Rakete, gespielt von Inga Busch, erforscht die Gegenwart des Objekts Rakete. Sie ist dabei auf der Suche nach ihrem Ursprung und findet in einem in der Jetztzeit befindlichen Raketendreieck zwischen Bremen, Peenemünde und Nordhausen Hinweise auf das verborgene geheime Programm der Rakete. Die werden mit einer Verknüpfungslust verbunden, die den Wirkungen technischer Faszination entgegengesetzt wird.« ROBERT BRAMKAMP, der Regissseur, hat uns letzte Woche seinen Film liebenswerterweise gleich persönlich vorbeigebracht und in der new filmkritik für lange texte befindet sich ein so spannendes wie langes Gespräch.

Ein Film von James Cameron

Ein Trailer vorneweg. Was alles passieren wird. Auf uns zukommt. "Genrelust", "Gewalt als Grenze des Mediums", "Männerspiele". In: KÖRPEREINSATZ. DAS KINO DER KATHRYN BIGELOW". Schüren 1999. Bei einem Buch sagt man gewöhnlich Einleitung, in diesem Buch über Filme von Kathryn Bigelow heißt es Trailer. Es soll um Bilder gehen. Die AutorInnen des Aufsatzbandes interessieren sich nicht so sehr für den "schlichten Plot". "Wer sich auf die Oberfläche der Geschichte konzentriert, verpaßt eine Menge". Man achte auf die Bilder.

Inside Man: Nichts ist falsch am Genrefilm

Wie wollen Russel und die Seinen, die auch wir nur anhand ihrer Waffen von den Geiseln unterscheiden können, "den perfekten Bankraub" beenden? Ihre Forderung nach einem voll getankten Jumbo-Jet mitsamt Piloten dürfte kaum die Lösung sein, und angesichts der Ruhe, mit der die Geiselnehmer ihre Ultimaten ausweiten, vertieft sich diese Frage. "Das ist doch kein Banküberfall", hält Detective Frazier seinem Gegenüber entgegen: "Was haben Sie vor?!"

Vom Trauma zum Exzess

Vor zwei Jahren erschien in der britischen Filmzeitschrift von Sight and Sound unter dem Titel "No Sex please, We are American" ein Artikel, in dem Paul Verhoeven, Brian de Palma und William Friedkin darüber lamentierten, dass es heutzutage in Hollywood schier unmöglich geworden sei, vernünftige Sexszenen zu drehen.

Battle in Heaven, Gymnastik auf Erden

»Battle in Heaven« beginnt im Himmel, von einer Schlacht ist nichts zu sehen. Ein schweres Atmen ist zu hören, die Kamera gleitet sehr langsam den nackten Körper von Marcos hinunter und ein Kopf voller Dreadlocks verdeckt seinen Intimbereich. Geigen setzen ein. Die Kamera schleicht zur Seite und gibt den Blick frei auf das Gesicht einer jungen Frau, die mit geschlossenen Augen, wie im Trance, scheinbar apathisch unmerklich hin-und-her wippt um an seinem Schwanz saugen. Der Himmel besteht aus opakem Licht, es ist der einzige Ort, wo Musik aus dem Nichts ertönt und es scheint das Paradies einer männlichen Phantasie. Die Szene wird nicht angedeutet, nicht zitiert, sondern zelebriert. Dass Marcos als Fahrer arbeitet und die junge Frau die Tochter seines Chefs ist, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, Kategorien wie Alter, Klasse und Schönheit spielen keine Rolle mehr. Minderwertigkeitskomplexe sind aufgehoben. Das Paradies als endloser Blow-Job, als Zustand, nicht als Ekstase. Die Kamera ruht sich schließlich auf den geschlossenen Augen der jungen Frau aus, die füllen nun die gesamte Leinwand aus und plötzlich schaut sie uns an. Schaut direkt zurück. Zizek hilf. Was haben Sie gerade gedacht?

Neue Filme auf DVD - Söhne, Kinder und Verräter

Was tut der Mann da eigentlich die ganze Zeit? Olivier ist Schreinermeister in einer Resozialisierungseinrichtung für jugendliche Straftäter. Doch von seinem Körper bei der Arbeit sehen wir meistens lediglich den Kopf - oft auch nur von hinten. Die Gebrüder Dardenne erzählen in ihrem Film »Der Sohn« eine im Grunde unmögliche Geschichte vom Schauen und Beobachten.

Border Cinema

Over the past few years, a new vibrant cinema has evolved in the Middle East, one that confronts the Israeli-Palestinian conflict directly and unabashedly. Indeed, the long, endlessly violent strife has led to a new type of film, a provocative, politically charged yet humanistic and even entertaining. An overview by the filmcritic EMANUEL LEVY.

Normalität unter eigenen Bedingungen

Was hat es im Kino mit dem Glücksversprechen des Popsongs auf sich, und warum ist dieses Konzept so unglaublich satisfaktionsfähig? So verschieden Jean-Marc Vallées Film "C.R.A.Z.Y." und "Breakfast on Pluto" von Neil Jordan sind, sie vermessen das gleiche Gelände: das Zusammenspiel von Pop-Sozialisation und sexueller Identität. TEXT: ANDREAS BUSCHE

Conversation in Cars between father and daughter

Manderlay beginnt wo »Dogville« endet: im Auto. Doch es steigen neue Schauspieler aus. Im finalen Gespräch von »Dogville« hatte der Vater der Tochter »power« versprochen und die will sie nun nützen. Die Macht zu handeln.

»I'm totally against the American ideal of being master of your own luck, but it's very romantic. I dream about it.«
(Lars von Trier)

»Dogville« endete mit einer Abfolge von Fotos, in Schwarzweiss und in Farbe; darüber der Song »Young Americans« von David Bowie. All die Fotos zeigen Armut. Auf den schwarzweiss Fotos aus den 20er und 30er Jahren sind Familien in zerissenen Latzhosen abgelichtet vor ihren spärlichen Hütten. Es sind Klassiker der Sozialreportage; das kontrastreiche Schwarzweiss verleiht ihnen etwas Künstliches. Die Fotos zeigen die Kehrseite des amerikanischen Traums, Menschen, die es nicht geschafft haben. Der Blick mit dem sie angeschaut werden meint es gut. Er scheint nicht zu sagen: ihr seid selbst schuld. Sondern eher: habt Mitleid!

Jeder lebt in seinem Genre

Nebenfiguren stehen üblicherweise im Dienste des größeren filmischen Zusammenhangs: Sie wirken vom Rande auf das Zentrum ein, offenbaren dabei immer nur ein paar Facetten ihres Daseins - und welche Wege sie nach ihrem Auftritt beschreiten, bleibt ein Rätsel, das allenfalls die Fantasie des Zuschauers zu lösen vermag. Der belgische Filmemacher Lucas Belvaux ("Pour rire!") hat mit Trilogy ein Triptychon entworfen, in dem mit dieser Norm spielerisch gebrochen wird: Als Hommage an die "kleinen Figuren" des Kinos angelegt, hat er gleich drei Filme inszeniert. Jeder für sich ist ein autonomes Werk, in einem anderen Genre angesiedelt. Aber jeder davon spielt auch zur gleichen Zeit, am selben Ort, der Stadt Grenoble, mit einem gemeinsamen Ensemble.

Ab wann ist etwas eine Bewegung?

Du sollst nicht nur das Kleinbürgertum schlagen! Der soziale Realismus im österreichischen Kino kennt mehr Möglichkeiten, Zeugnis abzulegen über die unmögliche Gesellschaft und filmische Möglichkeiten. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind beabsichtigt. Sie haben Schule gemacht. Und machen manchmal sogar Hoffnung. TEXT: MANFRED HERMES

Im Puppenhaus

Von Beginn an kommt in Innocence (2004), dem Debütfilm der französischen Regisseurin Lucile Hadzihalilovic, ein Gefühl des Unheimlichen auf – im Freud’schen Sinn des Wortes: Die beunruhigende Fremdheit des Raumes, den der Film eröffnet, verweist auf etwas, das einmal vertraut war und doch nicht ganz zu fassen ist.

The Constant Compromise

Filmcritic JONATHAN ROSENBAUM reviews in the weekly newspaper Chicago Reader Capote and Good NIght, and Good Luck, focusing on the varieties of journalism: »Good Night, and Good Luck and Capote view journalism as an intricate mix of principles, bravado, and negotiation. Working in a minefield, their star journalists are victims of their vocations. Good Night, and Good Luck, set in the early 50s, celebrates Edward R. Murrow's bravery, eloquence, and sense of justice in challenging Joseph McCarthy at the height of his power -- a kind of heroism that evokes John Wayne's in a western like Rio Bravo (a movie I cherish, though its view of good and evil is similarly unshaded). Good Night, and Good Luck -- named for Murrow's sign-off line -- also explores how internal politics at CBS were shaped by the network's relations with its sponsors.«

The motive is the reason why

Ob sie ihr Kino gegen ein anderes mache, wurde Angela Schanelec in einer Diskussion gefragt - sie bestritt das. Aber ihre Filme erinnern an Ezra Pound: „Die wahren Kritiker sind nicht die sterilen Richter, die Sprüchemacher. Der wirksamste Kritiker ist der nachfolgende Künstler, der entweder aus dem Weg räumt oder erbt, der über eine Form hinausgeht oder sie erweitert, sie zusammenstutzt oder begräbt.“ Text: ENNO PATALAS

On Movies, Musicians and Soundtracks

In the latest edtion of senses of cinema you'll find four intersting articles about soundtracks and moving images. In »NO DIRECTION HOME: Looking Forward from Don’t Look Back« TIM O'FARELL shows some fundamental connections between the latest Scorsese picture and two documentaries by D.A. Pennebaker, »Don’t Look Back« (1967) and »Eat the Document« (1972). The article addresses the historical reframing of such footage for contemporary use and makes quite obvious why »No Direction Home« ist not just a Scorsese picture.
In »Observable Death Gus Van Sant's LAST DAYS« the filmstudent and author JOHN LARS ERICSON is watching and reading Gust van Sant with the german filmtheorist Siegfried Kracauer, regarding the concept of realism: »If Last Days is a true »found story«, then it strikes a balance between both tendencies. This is where the distinction is made: Last Days is not a simple recreation of reality, but indeed transforms and comments on reality as well. Take the metaphysical transcendence of Blake at the film’s ending: such a concept is not a simple recording of nature, but it is a transformation of it. This particular transformation is difficult to analyse, given that it resides on a more ‘spiritual’ level – akin to the ‘journey into another world’ segment of 2001: A Space Odyssey (Stanley Kubrick, 1968) or the ending of Mouchette (Bresson, 1967). Even still, such a transformation exists as a comment on reality purely because it is metaphysical.«

Mutti ist an allem schuld

Oskar Röhler hat die Elementarteilchen von Michel Houellebecq verfilmt: Bruno alias Moritz Bleibtreu sitzt in Berlin in einer gediegenen Hotelhalle dem Literaturagent eines grossen deutschen Verlages gegenüber und wartet gespannt auf dessen Urteil. Beinahe hysterisch fängt dieser an zu lachen. »Das ist gut«, sagt er, und zieht dabei das »u« betont in die Länge. »Das ist reaktionär, das ist rassistisch, das ist provokativ.«

Das Errechnen der Seele

Das ist der Vorteil von Animationsfilmen: Sie müssen sich keine Budgetsorgen beim Zerstören von großen Gebäuden machen. Appleseed macht davon ausgiebigen Gebrauch und präsentiert schon in den ersten zehn Minuten reichlich postapokalyptischen Häuserkampf zwischen Maschinen, die menschenähnlich aussehen, und Menschen, die vor lauter Hightech-Ausrüstung nur so um sich ballern.

Narren mit Knarren

Dear Wendy: Eine Gruppe von jugendlichen Außenseitern sieht einer desolaten Zukunft in einem verarmten Minenarbeiter-Städtchen im Südosten der USA entgegen. Unversehens entwickelt sie eine fatale Faszination für antike Handfeuerwaffen. Weil sie sich für "Pazifisten mit Pistolen" halten, schwören sie, die Waffen nur für Schießübungen und niemals außerhalb ihres Terrains zu benutzen, eines zum Clubtreff umfunktionierten, stillgelegten Fabrikkellers, den sie ihren "Tempel" nennen.

Take part in what is happening

An interview by Dietmar Dath with JOSS WHEDON, creator of »Buffy«, »Firefly« and, now, »Serenity«. Some might call him a kind of god. They're talking about responsiblity, decency, refugees, close-ups, kissing and killing and, sure, science-fiction. Originally published on the site of IMPLEX Edition.

This is Hardcore!

Am Anfang eine kurze Szene aus Martin Scorsese's Taxi Driver aus dem Jahr 1976. Travis Bickle, der Soziopath, der den Peckinpah Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft gehen wird, hat seine Liebe, die engagierte Wahlkampfhelferin Betsy zum ersten Date ins Kino geladen. Prekärerweise in einen Pornofilm. Betsy, die als erfolgreiches, selbstbewusstes Karrierewesen auch einen neuen Typus Frau verkörpert, verlässt empört die Vorstellung. Travis eilt ihr nach. Er merkt, dass er etwas falsch gemacht hat, scheint aber nicht wirklich zu wissen was. Auch wenn die Szene im Taxi-Driver-Kosmos vornehmlich dazu dient, Bickle's Grad der Entfremdung von gesellschaftlich akzeptiertem Verhalten zu zeigen, steckt in ihr einiges mehr. Warum flieht Betsy? Warum versteht Travis nicht wo das Problem ist? Und wann war das letzte Mal ein Porno im Kino zu sehen?

Vor den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war der Konsum sexuell expliziter Filme zum allergrößten Teil auf exklusive Herrenrunden beschränkt in denen sogenannte stag films gezeigt wurden. Verbotene, kurze genitale Schauen, die seit ihrer Entstehung um 1900 herum auf versteckten Vertriebswegen ihren Weg in Bordelle und Clubs fanden. Erst in den 60er Jahren, getragen auf der Welle grassierender Freizügigkeit entstanden die ersten Pornokinos, in denen zunächst nur ein stag nach dem anderen zu sehen war. Zielgruppe waren die spöttisch “Raincoaters” genannten, einsamen Herren, deren lange Mäntel genug Sichtschutz boten um sich in der Dunkelheit des Kinosaals in aller Ruhe zu befriedigen. Die Idylle kollektiven Wixens wurde jedoch mit dem Beginn der 70er Jahre empfindlich gestört. Zum einen hatte Russ Meyers “Vixen” 1968 als erster, wenn auch Softcore-, Sexfilm auch zunehmend Pärchen in die Kinos gelockt und zum anderen sahen sich die Mitchell Brothers 1971 mit einer Klage konfrontiert die ihnen vorwarf Sex um des Sex willen ohne “socially redeeming value” zu zeigen. Es schien im Interesse der Produzenten etwas mehr Rahmenhandlung in die Filme einfliessen zu lassen. So enstand 1972 mit Deep Throat einer der ersten abendfüllenden Pornos, gedreht auf 35 mm, mit ansehnlicher Handlung und einer nicht weniger ansehnlichen Linda Lovelace auf der Suche nach sexueller Erfüllung. Der Film wurde ein bahnbrechender Erfolg und leitete eine neue Epoche ein.

Wem gehört das Copyright?

Vielleicht werden künftige Filmhistoriker die Geschichte des Mediums als eine Diätkur beschreiben: Was schwer war, ist leicht geworden. Man muss einmal daran erinnern, was für ein mechanisches Monstrum aus Metall, Zahnrädern und Zelluloid das Kino einst war, von den Kameras über die Studiolandschaften bis zur Projektion. Das frühe Filmmaterial auf Nitratbasis war technisch ein hoch entzündlicher Sprengstoff, das zahllose Theater in Flammen aufgehen ließ.

Ideale Verbündete

Leer wie ein platt gerodetes Maisfeld: In Broken Flowers gehen der Zen-Buddhismus-Flirt von Jim Jarmusch und der stoische Minimalismus von Bill Murray die schönste Verbindung ein. Sie spenden Trost den vielen, die alles im Leben verpasst haben, und huldigen dem schwerelosen Augenblick.

Film mit Fußnoten

Vorblättern, Zurückblättern, Überschreiben, Lücken lassen: Filme sehen wie Bücher lesen? Der Filmkritiker und -historiker ENNO PATALAS hat die letzten zwei Jahre damit verbracht, eine Studienfassung von Metropolis zu erstellen. Ziel war, das Potential des Medium DVD auszuschöpfen und die Logik »Bonus Material« weit hinter sich zu lassen. Im Gespräch beschreibt Enno Patalas wie diese neue Metropolis-Version sich anhört und aussieht.

Ich köpfe meine Feinde nicht

Wer weiß schon, was ein Mandala ist: Ein Gespräch mit dem New Yorker Filmregisseur David O. Russell über seinen Film I Heart Huckabees und über Zufälle, Bienen, Fahrradfahren als politisches Statement und buddhistische Baummeditation

Der dunkle Ritter versuchts erneut

Der Titel birgt ein Versprechen: Alles wieder auf Los, ein Neuanfang. Den hätte die Batman-Serie, die zuletzt in angestrengtem Klamauk zu versinken drohte, auch bitter nötig. Als Tim Burton den Fledermausmann 1989 und 1992 ins Leinwand-Leben erweckte, inszenierte er die Geschichten des Verbrecherjägers mit den spitzen Ohren in seinem typischen Mix aus Grand Guignol und Gruselmärchen für Erwachsene, mit jeder Menge Raum für die exzentrischen Auftritte der Gegenspieler des kostümierten Vigilanten.

Die im Dunkeln sieht man nicht

»Operation Spring« von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber

Drei Arten von Bildern verhandelt Operation Spring: offizielle, inoffizielle und unsichtbare. Offiziell sind solche Bilder, die alle zu sehen bekommen, wie etwa die von der Pressekonferenz am 27.5.1999, auf welcher der damalige Innenminister Karl Schlögl den anwesenden MedienvertreterInnen bekannt gab, in den frühen Morgenstunden sei dank des koordinierten Einsatzes von »850 Beamten der Exekutive in Wien, Niederösterreich, Linz und Graz« eine »international agierende Drogenbande« zerschlagen, sowie »vorerst 80 Personen festgenommen und mehrere Kilo Suchtgift sichergestellt« worden. In den folgenden Tagen steigt die Zahl der Verhaftungen, insgesamt 127 Personen werden in Gewahrsam genommen.

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