Ich köpfe meine Feinde nicht

Wer weiß schon, was ein Mandala ist: Ein Gespräch mit dem New Yorker Filmregisseur David O. Russell über seinen Film I Heart Huckabees und über Zufälle, Bienen, Fahrradfahren als politisches Statement und buddhistische Baummeditation

Der dunkle Ritter versuchts erneut

Der Titel birgt ein Versprechen: Alles wieder auf Los, ein Neuanfang. Den hätte die Batman-Serie, die zuletzt in angestrengtem Klamauk zu versinken drohte, auch bitter nötig. Als Tim Burton den Fledermausmann 1989 und 1992 ins Leinwand-Leben erweckte, inszenierte er die Geschichten des Verbrecherjägers mit den spitzen Ohren in seinem typischen Mix aus Grand Guignol und Gruselmärchen für Erwachsene, mit jeder Menge Raum für die exzentrischen Auftritte der Gegenspieler des kostümierten Vigilanten.

Die im Dunkeln sieht man nicht

»Operation Spring« von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber

Drei Arten von Bildern verhandelt Operation Spring: offizielle, inoffizielle und unsichtbare. Offiziell sind solche Bilder, die alle zu sehen bekommen, wie etwa die von der Pressekonferenz am 27.5.1999, auf welcher der damalige Innenminister Karl Schlögl den anwesenden MedienvertreterInnen bekannt gab, in den frühen Morgenstunden sei dank des koordinierten Einsatzes von »850 Beamten der Exekutive in Wien, Niederösterreich, Linz und Graz« eine »international agierende Drogenbande« zerschlagen, sowie »vorerst 80 Personen festgenommen und mehrere Kilo Suchtgift sichergestellt« worden. In den folgenden Tagen steigt die Zahl der Verhaftungen, insgesamt 127 Personen werden in Gewahrsam genommen.

Liebe deine Panik wie dich selbst

Es wäre unter Umständen auch möglich gewesen an dieser Stelle dabei zuzusehen wie sich der amerikanische Filmregisseur George Lucas um das letzte bisschen Kredibilität und Würde bringt. Aber danach ließe sich sowieso nur wieder schreiben, dass die Star Wars Mythologie ja im strengeren Sinne dem Fantasy- und nicht Science Fiction-Genre zuzurechnen sei und deshalb auch gerne Quatsch sein durfte und darf. Ein Raumschiff macht noch keinen Lem.

DVD or Blue-ray?

From Heise Newsticker: "As the first Hollywood studio to do so Paramount Pictures has announced that it would be using both competing successor formats to DVD -- Blu-ray and HD DVD. The decision can also be seen as a weakening of the party in favor of HD DVD, for until recently Paramount had intended to opt for this format only. The use of Blu-ray in Sony's coming Playstation 3 had been a key factor in making the company reconsider, the president of Paramount Thomas Lesinski is quoted in the New York Times on Monday as saying."
http://www.heise.de/english/newsticker/news/64544

Linda Williams: Pornographischer Diskurs

Als Linda Williams 1989 ihr Buch »Hard Core« veröffentlichte, war sie die Erste, die sich mit den Bedingungen des Porno-Genres abseits klassischer moralischer Wertung auseinander setzte. Trotz oder gerade wegen der vorhersehbaren Skandale um die Veröffentlichungen ist ihr Buch heute ein Klassiker der Filmwissenschaft. Seit über zehn Jahren ist Linda Williams Professorin für Filmwissenschaft in Berkeley – wohl der Universität, die aus (post-)feministischer Perspektive mit Judith Butler, Trinh T. Minh-ha und Kaja Silverman die Speerspitze der zeitgenössischen Academia repräsentiert. Vor kurzem hat Linda Williams die Anthologie »Porn Studies« herausgegeben. Und noch eine Ergänzung: der netporn kongress

Der andere Sex and the City

Drei Frauen. Dreimal New York. Dreimal Amos Kollek.Vor allem dreimal Anna Thomson. In »SUE« spielt sie eine Sekretärin, die über Nacht ihren Job verliert. Ein Working Girl, würde Annett Busch, in Bezug auf ihren Text in Spex 05/2005, treffend feststellen.

Die Arbeitslosigkeit stürzt Sue nicht in eine Sinn-, sondern in eine Existenzkrise. Scheinbar ziellos irrt sie durch die Stadt. Mit Kopftuch, Trenchcoat und übergroßer Sonnenbrille bewehrt, wirkt sie wie eine europäische Filmdiva, die ihre besten Jahre hinter sich hat. Die Verkleidung ist kokette Maskerade. Es würde sie sowieso niemand mehr erkennen. Die Anonymität, in der Sue versinkt, aus der heraus sie sich aber ein neues Leben aufbauen will bzw. muss, ist auch ihrer Unbeholfenheit im Umgang mit anderen Menschen geschuldet. Sue sagt: »I can only communication through sex«.

Million Dollar Baby: ein Box-Requiem

Als Boxfilm ist Clint Eastwoods 26. Regiearbeit eine kleine Offenbarung. Die Kämpfe sind schnörkellos und direkt wie die Sprache von Tooles Kurzgeschichten, auf denen Million Dollar Baby beruht. Sie dauern oft nur wenige Minuten und enden mit einem K. o. Keine ausgefeilten Boxchoreografien, sondern brutale Überlebenskämpfe: Raus in die Schlacht, rein in den Infight, und dem Gegner keine Sekunde zum Nachdenken lassen!

DoubleFeature

Möglicherweise geht es um die Sache mit dem richtigen Zeitpunkt, oder besser: der richtigen Sprache im richtigen Moment. Eine E-Mail die einen am Nachmittag erreicht und eigentlich nicht mehr tut, als eine Veranstaltung anzukündigen: »So. 17.7. 19:30 Uhr: One Year of Pirate Cinema - Journey Through (Scorsese) + Histoire(s) de (Godard)«. Dann aber geht es um die Unterscheidung von T-Shirts und Erinnerung und völlig unerwartet verdichtet sich all das um was es eigentlich geht: Kino, Haltung und seine Produktionsbedingungen, den Blick auf die Welt und was wir darin tun. Gleichzeitig kamen mir zwei andere Texte in den Sinn; der eine findet auf komplett anderem Weg zu einem verwandten Ergebnis: Sehen und zu Sehen geben. Der andere widerspricht indirekt und schaut bezaubernd genau auf Godards Geschichtsbild: Das Fräulein von der Aufnahme.

Los Angeles Plays itself

»This is the city: Los Angeles, California. They make movies here. I live here. Sometimes I think that gives me the right to criticize the way movies depict my city.« THOM ANDERSON, author, curator, filmmaker and -critic (see also: Red Hollywood) answered with another movie: »Los Angeles plays itself.« Unfortunately it's still missing on DVD. But I just found the complete voice over text on the new filmcritic site. And an extended discussion on indiewire After having watched »Collatoral« it might be a very interesting lecture. »Of course, I know movies aren’t about places, they’re about stories. If we notice the location, we are not really watching the movie. It’s what’s up front that counts. Movies bury their traces, choosing for us what to watch, then moving on to something else.«

Wes Anderson: Die Fische haben wir erfunden


Ein Gespräch mit dem US-amerikanischen Regisseur Wes Anderson über Jacques Cousteau, die Markenbesessenheit, das Studium der Fischbewegungen und seinen neuen Film The Life Aquatic with Steve Zissou/Die Tiefseetaucher. »Ich liebe das Meer, besonders im Winter; ich liebe es, an den Strand zu gehen, auch wenn ich nie sonnenbade. In allen meinen Filmen gibt es Unterwasseraufnahmen, in einem zum Beispiel hat eine Figur eine Menge Aquarien voller Fische.«

Interview: CRISTINA NORD

Herr Anderson, warum haben Sie mit »Die Tiefseetaucher« einen Film gedreht, der den Ozean als Schauplatz hat?

Wes Anderson: Ich liebe das Meer, besonders im Winter; ich liebe es, an den Strand zu gehen, auch wenn ich nie sonnenbade. In allen meinen Filmen gibt es Unterwasseraufnahmen, in einem zum Beispiel hat eine Figur eine Menge Aquarien voller Fische.

Und welche Rolle spielte Jacques Cousteau, der französische Meeresbiologe und Filmemacher?

Ich war immer sehr interessiert an Cousteau - an seiner Person, an seiner Arbeit und an seinen Filmen. Die Figur, die Bill Murray spielt, ist Cousteau letztlich nicht allzu nah. Dieser Steve Zissou ist Amerikaner, seine Probleme haben mehr mit denen zu tun, die Freunde von mir, vor allem Filmemacher, haben, und in ihm findet sich einiges von Bill Murray. Trotzdem ist das Ganze von Cousteau inspiriert.

By Any Means Necessary

Senegalese filmmaker Ousmane Sembene is one of the most renowned and successful directors of Africa. His film »Moolaadé« a manifesto against the genital mutilation of girls in Burkina Faso, won him an award in Cannes last year. But it's not the well-meaning social-drama as you might think it is, »Moolaadé« - not a coming to consciousness story of a main character but rather a social intimate play - is also a seldom form of political filmmaking.

Vienna Conversation

In May 2005, the Film Museum in Vienna has presented the work of French filmmaker Claire Denis. With films such as »Beau Travail«, »Trouble every Day« and now »The Intruder« she became the probably most important woman working in cinema today. At v2v you can download a video which contains the full recording of a 1.5 hours long conversation between Claire Denis and the Austrian film critics Michael Omasta and Isabella Reicher on Saturday, May 7th, 2005. They just published the first sampler about Claire Denis in german.

RE-CONNECTING

Anfang Mai sitzt Claire Denis auf dem Podium im ausverkauften Kinosaal des Wiener Filmmuseum und sucht nach einer möglichst präzisen und ehrlichen Antwort auf die Frage, was denn die treibende Kraft dahinter sei, Filme zu machen. »Nicht um Künstlerin zu sein, das ist ein Begriff mit dem ich nie viel anfangen konnte, aber um Verbindung aufzunehmen zu dem was mir Kino bedeutet hat als ich vierzehn, fünfzehn, sechszehn war ...« Es ging darum, im Kino entscheidende Erfahrungen zu machen – so paradox es auch sein mag. Hier kam alles zusammen: Musik, Perspektive, Einstellung. »It was the best way to enter life.«

Im Saal ist es beinahe andächtig still. Die cineastische Ernsthaftigkeit der Black Box, des komplett schwarzen Kinosaals, den Kubelka einst entwarf, um alle Konzentration auf die Leinwand zu lenken, wiegt zu schwer für diesen Satz. Ein Ort, an dem normalerweise nicht geredet und jeder zurückgeworfen wird auf seine vermeintlich passive Rolle des Zuschauens. Hier mag man still und heimlich fundamentale Entscheidungen treffen, einschlafen, fiebern oder Sehnsüchten nachhängen. Doch wie aktiv dieses Innenleben auch sei, es vollzieht sich immer stumm. Zumindest in den Kinos, wie wir sie kennen.

Kill Bill revisited

»I suggest that violent imagery — especially that connected to Asian martial arts — functions as one of the primary cinematic languages for character description and plot progression in modern action films.« It's the fight choreographer AARON ANDERSON who's suggesting this point of view. In Jump Cut - A review of contemporary Media, he's developping some interesting thoughts far beyond the »mindless violence«-talk. »For instance, one of the basic maxims of our business is that every film fight necessarily tells a story and is therefore — by definition — always more than mere spectacle or an excuse to display actors’ bodies.«

Der romantische Kreislauf

Die Phase einer wie auch immer bemühten oder eigenwilligen Politisierung des jungen deutschen Films war kurz. Jugendliche Helden beschäftigen sich wieder am liebsten mit sich selbst und stellen sich wieder die alten Fragen nach der großartigen Hölle der Jugend: »Kammerflimmern« von Hendrik Hölzemann und »Egoshooter« von Christian Becker und Oliver Schwabe.

Armut in Suburbia

Sex und Gewalt, seit seinen frühen Fotobänden »Tulsa« und »Teenage Lust« die Lieblingsthemen Larry Clarks, bestimmen auch in »Ken Park« das Zusammenspiel der Menschen. Aber eine neue Sanftheit macht sich unter den desolaten Bildern bemerkbar. Der Ton klingt versöhnlicher, als man es bei Clark gewohnt war.

Sarah Michelle Gellar: Das Leiden anderer vorspielen

Kein Urheber-Groll auf Schauspieler und keine urigen Schreiberallüren in Bezug auf die, die scheinbar nur das tun, was der Regisseur ihnen sagt. Und wie geht das überhaupt, wenn man gar nicht versteht, was der von einem will? Weil die Sprache im Weg steht. So wie die amerikanischen Schauspieler in »The Grudge« in der japanischen Kulisse stehen würden, wenn sie sich nicht bewegen täten, was einen Schreiber wiederum dazu bewegt, sich seinem Fluch zu stellen. Dietmar Dath hat endlich Sarah Michelle Gellar getroffen – tatsächlich, wirklich, echt –, um mit ihr über ihr Mitwirken an Takashi Shimizus Remake seines eigenen Films »Ju-On« zu sprechen, über ihre Berufsauffassung und Pläne, über Richard Kelly und offene Räume, und über das Aufwachen in Särgen.

Wenn man sie aufeinanderhetzt, merkt man es plötzlich, und staunt nicht schlecht drüber: Autoren werden Schauspielern bei dem, worauf es beiden ankommt, nämlich dem Flirt mit dem genau Richtigen am jeweils überhaupt Mitteilbaren, wahrscheinlich immer und überall zwangsläufig unterliegen müssen. Beide Berufe leben vom geschickten Lügen im Interesse einer über das bloß faktisch Vorgefundene erhabenen Wahrheit, aber schriftlich lässt sich einfach nicht abbilden, wie todernst es einem mit der jeweiligen Lüge ist – nur die Einfältigsten verlassen sich auf Wörter wie »wirklich«, »tatsächlich«, »echt« oder andere Stützrädchen kindlich aufrichtiger Ostentation.

Ki-Duk Kim: Es wird kein Wunder geschehen

Im Gegensatz zur Meinung mancher westlicher Kritiker, sind asiatische Filmemacher auch nicht verrückter als die Welt, in der sie leben. Ki-Duk Kim, dessen brutales Kammerspiel The Isle in Korea wie in Europa für Diskussionsstoff sorgte, erklärt im Gespräch mit Tim Stüttgen, warum er nicht weiß, wovon er in seinen Filmen erzählen sollte – außer Entfremdung, Ausbeutung, Gewalt und Schuld. Die leise Hoffnung auf Verständigung schwingt mit in seinem neuen Film Samaria. Es ist aber noch keine Konfliktlösung vom Himmel gefallen. Eher springen Menschen aus dem Fenster.

Beyond the hype

What's so extreme about Japanese cinema? How does a bubble economy influence film production? Why all the buzz, anyway? These and a lot of other questions are answered by Tom Mes and Jasper Sharp authors of the recently published excellent "Midnight Eye Guide to New Japanese Film" and hosts of the highly recommended website Midnight Eye in an extensive interview with MissingImage.

Pubertät ist nur Kontext

"Freaks and Geeks" hatte es schwer im Erstaustrahlungsjahr 1999 auf NBC. Dabei war soviel geboten. Epische Schlachten, langwierige Fehden, große Liebesdramen, Intrigen, Verrat, Freundschaft und Treue - ein Jahr an einer High School im Michigan der frühen 80er Jahre. Es sollte nicht und wenn nur kurz sein. Doch ganze 5 Jahre später trägt die Begeisterung der immer noch treuen Anhänger ihre Früchte. Eine Onlinepetition überzeugte die Produzenten vom ökonomischen Potential des vergessenen Juwels und führt zur Veröffentlichung einer mit zahlreichen Extras geschmückten DVD-Edition.

Mädchen auf Arbeit

»When I went to work in a studio, I took my pride and made a nice little ball of it and threw it right out the window,« so Dorothy Arzner, eine der wenigen Frauen, die sich im Studio-System der 20er-30er Jahren einen Namen als Regisseurin machen konnte - ausführlich nachzulesen bei senses of cinema. Heute abend gibt's die seltene Gelegenheit, »Working Girls« (1931) im Filmmuseum zu sehen - nicht nur für jene ein Vergnügen die »Sex and the City« verfallen sind.

Das fliegende Auge: Minority Report

Dieser Film ist, sehr wörtlich genommen, ein Angriff auf die Augen. Wie immer in einem Spielberg-Film gilt: achten Sie auf den kleinen Jungen. Hier sitzt einer gleich zu Beginn des Films am Tisch im familiären Dreieck (das bereits ein Viereck geworden ist: der Liebhaber vor der Tür wartet darauf, dass Papa das Haus verläßt) und bastelt sich eine Maske, indem er mit einer grotesk großen Schere der Werbefotografie einer Frau die Augen aussticht.
Das mehr als bloß die die Vorausschau auf den Mord aus Eifersucht, so wie ihn die »Pre-Cogs«, das Orakel der Zukunftspolizei, vorhergesehen haben, und wie er gerade deshalb nicht stattfinden wird. Das ist, in der technisch durchkontrollierten Gesellschaft des Jahres 2054, eine Überlebensstrategie: wenn die Werbung in der Zukunft Augen hat, wenn die Gegenstände einen wahrnehmen, hilft es nur noch, ihnen die Sicht zu nehmen, sich zu maskieren. Oder selbst zur Werbung werden, in vollständiger Angleichung an die Verhältnisse.

Die Geschichte von den ewigen Brüsten

Tanaka Kinuyo hat in über 100 Filmen mitgespielt und wurde im Westen vor allem als Mizoguchis Lieblingsdarstellerin (»The Life of O-Haru«) bekannt. Doch als erste Frau in Japan stand sie nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Sechs Filme realisierte sie zwischen 1955 und 1962 und gab einem den schönen Titel: »Eternal Breast«. Das Werkstattkino zeigt Tanaka Kinuyos Regiearbeiten vom 25. Februar bis 02. März.

Im Kinosaal des japanischen Kulturinstituts in Köln hängen große Schwarz-Weiß-Bilder. Eines sieht aus wie ein Klassenfoto. Es wurde Anfang der 60er-Jahre aufgenommen, zu Feierlichkeiten der Gesellschaft der Regisseure. Man sieht vier, fünf lange Reihen streng dreinblickender Herren in Anzügen. Tanaka Kinuyo sticht aus dem homogenen Grau hervor, weil sie als Einzige einen hellen Kimono trägt. Aus diesem Grund entstanden Frauenfilmfestivals: um ins Zentrum zu rücken, was andernorts nur am Rande steht, um all die Einzelkämpferinnen zusammenzubringen, zu neuen Gruppenfotos. Zugegeben, Zeit und Veränderung sind seither ins Land gezogen, doch, um auf der asiatischen Insel zu bleiben: Wie viele Namen kennt man heute denn schon von japanischen Frauen, die hinter der Kamera arbeiten?

Halber Mensch

The Machinist (Brad Anderson, Spanien 2004)

»In der Wirklichkeit ermüdet die Fabrikarbeit sehr bedeutend und erzeugt eigentümliche Krankheiten. In der Wirklichkeit ist die Maschine eine Maschine, nur in ›The Machinist‹ hat sie einen Willen, denn da sie nicht ruht, so kann der Arbeiter auch nicht ausruhen und ist einem fremden Willen untertan.« (frei nach Karl Marx, Die heilige Familie)

Ein Mann und ein Junge in der Geisterbahn. Die Fahrt war schon um einiges unangenehmer als erwartet, der Mann ist sichtlich nervöser als sein Beifahrer. Dann kommt eine Abzweigung: rechts gehts zur »ewigen Erlösung«, links zum »Highway to Hell«. Natürlich wählt der Junge die linke Strecke. Irgendwann später im Film kommt raus: den Jungen gab's gar nicht, der ist vor langer Zeit bei einem Unfall umgekommen, die Geisterbahnfahrt gab's vielleicht irgendwann einmal in der Kindheit des Mannes.

Mit solchen Abzweigungen arbeitet der grünstichige Psycho-Horror-Hunger-Thriller »The Machinist« von Brad Anderson ständig. Die führen gleichzeitig nach links und rechts, hinten und vorn, in die Vergangenheit und in die Zukunft, in die Freiheit und in den Schizo-Zustand. Die Frage dazu lautet stets: Wie schafft man es, beide Wege zugleich zu nehmen? Wie den Verlust der Abzweigung kompensieren? Folgende Möglichkeiten:

Bruce LaBruce: »This is Bruceploitation!«

Wie kann man als junger, karrieresüchtiger (Hetero-)Journalist ein Interview mit einem der Vorzeigegesichter des schwulen Avantgardekinos führen, dessen bekanntester Film davon handelt, wie eine junge, karrieresüchtige Dokumentarfilmerin den Niedergang des schwulen, avantgardistischen, etc. Pornostars für ihr eigenes berufliches Fortkommen ausnützt? Indem man sich mit ihm verabredet.

Wir treffen uns in einer Bar in Kreuzberg und setzen uns an diesem elend heißen Tag unter eine schattenspendende Markise. Ein paar Meter weiter an der Kreuzung haben Punks und Autonome einen Fensterwaschservice eingerichtet für Autofahrer, die an der Ampel halten. Auf der einen Seite einer Säule steht: »Ein Euro pro Waschgang«, auf der anderen: »Nieder mit dem Freiheitsdenken!«. Hier fährt die U-Bahn oberirdisch, weshalb ich mir zuvor eine richtig smarte Frage zur eh und je komplizierten Dialektik von Underground/Overground zurechtgelegt hatte, die ich im Gang des Interviews glücklicherweise wieder vergesse.

$162.5 million for the 65 episodes of "The Sopranos"

According to New York Times A&E network reached agreement with HBO to buy the syndication rights to "The Sopranos" and said that it would begin broadcasting those episodes in fall 2006. The $2.5 million-an-episode price is believed to be a record for a drama sold into syndication, one that would eclipse the estimated $1.9 million paid by Bravo and USA in December for the syndication rights to "Law and Order: Criminal Intent."

Stanley Kubrick: Sozialpsychedelik

Das neue und das ganze Werk von Stanley Kubrick.Im Martin Gropius Bau in Berlin ist bis Mitte April noch die bisher umfassendste Stanley Kubrick Ausstellung zu sehen. Diedrich Diederichsen war bereits 1999 zu einem ähnlichen Ereignis in Frankfurt/Main.

Das Gefühl hatte ich fast schon vergessen. Wie es ist, einen Film zu "betreten", von seiner Eröffnungssequenz angesogen zu werden, und sich vom ersten Moment an "ästhetisch betreut" zu fühlen. Von nun an, so weiß man, sieht man nichts, was man nicht sehen soll, wird gegen keinen der selbst errichteten Codes des Geschmacks, der Rauminszenierung, des Tempos, der Musik etc. verstoßen - es sei denn, es soll dagegen verstoßen werden, um etwas zu sagen. Nichts ist aber auch von Industrieformaten und Gewohnheiten entschieden, wie man sofort merkt. Und wenn doch eine Entscheidung sich als gewohnheitsmäßig getroffen zu erkennen gibt, dann beruht sie ebenso erkennbar auf den Gewohnheiten des Autors.

Ich hatte fast vergessen, wie es ist, in einen Kubrick-Film hineinzugeraten. Es gehört zu den wohleingeführten Truisms der Filmkritik, daß Kubrick ein Control-Freak gewesen sei. Tatsächlich aber war Kontrolle auf verschiedenen Ebenen wirklich sein Thema. Die erste wäre die, inwieweit Autorschaft, verstanden als Kontrolle eines einzelnen menschlichen Subjekts über die industriellen Makro-Abläufe bis zu den künstlerischen Mikro-Strukturen eines Mainstream-Kino-Films heute noch zu haben ist. Ein romantisches und unsinniges Anliegen, höre ich meine dezentrierten Freunde dazwischenrufen. Doch geht es ja nicht, um den Autor im starken Sinne als kunst- und kulturphilosophisches Problem der Postmoderne und des Poststrukturalismus, der alles mögliche "immer schon" ist, ganz zu schweigen von dem "Eingeschriebenen", den Diskursregeln etc. - nein, es geht, um einen Autor im schwachen Sinne, um einen bereits strukturalistisch gedachten Autor als eine Stelle im Filmproduktionsstrukturgewirr, bei dem alle Stränge zusammenlaufen. Dieser bei Kubrick ebenso nüchtern, ja politisch, antikulturindustriell gedachte wie phantasmatisch herbeikonstruierte, gewünschte und von anderen Wahnsinnigen und lange vor ihm Verstorbenen der Filmgeschichte geerbte Autor ist das erste Bild der Kontrolle, der Determination und der Prädestination(ja!), das bei Kubrick bis zum letzten Bild präsent ist und das nun die Verantwortung übernimmt für jene erwähnte ästhetische Rundumbetreuung, die wiederum dafür verantwortlich ist, daß wir im Kinosessel auf so angenehme Weise das kritische Gewicht unseres Kopfes verlieren, unserer stets präparierten Einwände.

…is the new something else

In Sophia Coppola’s »Lost in Translation« and in the Coen brother’s »Intolerable Cruelty«, something suspicious occur. Both movies seem deliberately to be not good, not bad, not cool, not nerdy but half good.

In an American small town, lets say 1957, a young boy helps an older nun over the street. Holds her arm and makes sure she is cautious about the difficult step up on the pavement. Safe on the other side of the street the nun thanks the young boy, praising his virtues and assuring that the reputation of the youngest generation is exaggerated. The boy responds with a smile: “Well, any relative of Batman is a friend of mine!”

Schaut her, ich habe Fidel Castro getroffen

Politik und Geschichte anhand großer Männer zu inszenieren und zu interpretieren, ist bei Oliver Stone nichts Neues. Nun ist er zum ersten Mal richtig nah dran, physisch. Oliver Stone und sein »Comandante«.

Aus gebührender Distanz umkreist eine wackelige Kamera ein wie zufällig herumstehendes Grüppchen. Leute laufen durch die weitläufige Säulenhalle, manchmal bleiben sie im Bild stehen. Mit dem Licht scheint sich niemand Mühe gegeben zu haben. Das Arrangement wirkt improvisiert, fast unprofessionell. An der Situation jedoch ist wenig zufällig. Die da zusammenstehen, sind Fidel Castro, seine Übersetzerin und Oliver Stone. Und zum ersten Mal kehrt so etwas wie Ruhe ein, obwohl "Comandante", der Dokumentarfilm von Oliver Stone über Fidel Castro, schon eine Stunde läuft.

Wunderbare Maskerade

Wer nach Natürlichkeit sucht, sucht im Kino des Pedro Almodóvar vergebens. Worum es in »La mala educación« geht, ist schwierig zu benennen. Um Missbrauch in einer Klosterschule? Sicher. Doch wer nun ein Drama erwartet, das Täter- und Opferrollen klar verteilte, wird enttäuscht.

Von Zahara sieht man zuerst nur den Rocksaum. Er hat die Farbe heller Haut und ist mit Fransen dicht besetzt. Langsam und aus nächster Nähe fährt die Kamera nach oben. Am Hintern ruht sie sich einen Moment aus, Pailletten zeichnen die Rundung der Backen nach. Der Körper dreht sich um die eigene Achse und ein Dreieck aus braunen Perlen taucht zwischen den Beinen auf. Auf Brusthöhe dann zwei Hügel, die Spitzen mit rosa Perlen besetzt. Aus dem Dekolletee heraus schaut endlich die Figur: Zahara, verkörpert von dem mexikanischen Schauspieler Gael García Bernal. Ihre wasserstoffblonde Perücke ragt in die Höhe, ihr Lidstrich reicht von hier bis zur Ewigkeit, und wenn sie die Augen aufschlägt, hat man für immer begriffen, was das Wort kokett bedeutet.

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